Sa, 30. Jul 2016 | Schweiz | Seite 4

«Wir sind zu tolerant geworden»

Erfahrener Kantonspolizist warnt vor einer Parallelgesellschaft und steigenden Sozialkosten

Von Beni Gafner, Bern

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Dieser Tage hat die Basler Zeitung Kenntnis erhalten von der folgenden Schilderung, die ein erfahrener Kantonspolizist verfasst hat. Der Schreiber wird hier – aus naheliegenden Gründen – nicht namentlich genannt. Wo auf dessen Funktion oder den Ort seiner Tätigkeit geschlossen werden kann, ist der Text anonymisiert.

Die Schilderung beginnt mit der Bemerkung: «Ich nütze meine Mittagspause, um Ihnen zu schreiben.» Er arbeite bei der Polizei im Bereich Kapitalverbrechen. Man habe sich dabei überdurchschnittlich oft mit ausländischen Tätern und Opfern zu beschäftigen. Das sei eigentlich nichts Neues. Bei seiner Arbeit sei es notwendig, sehr detaillierte Abklärungen zu Umfeld und ­Gewohnheiten von Tätern und Opfern zu erlangen, damit ein urteilender Richter später ein ­fundiertes und gerechtes Urteil fällen könne.

Sozialhilfe für ganze Clans

Er schreibt weiter: «Seit ein paar Jahren stelle ich bei diesen Umfeldabklärungen neue, erschreckende Tendenzen fest. Natürlich wird man in jedem Fall von Einzelfällen sprechen. Natürlich sind alles Einzelfälle, weil die Anzahl Fälle wohl statistisch nie erfasst wird. Immer wieder haben wir es mit Familien zu tun aus Eritrea, Nordafrika, dem Balkan und dem Nahen Osten (diese Aufzählung ist nicht ab­­schlies­send), und immer wieder fällt mir auf, wie viele Familien inklusive Onkeln, Tanten, Cousins von der Sozialhilfe unterstützt werden oder IV-Beiträge erhalten.

Für mich sieht das zum Teil bereits schon nach einem System aus. Uns gelangte zum Beispiel zur Kenntnis, dass eine eritreische Familie, seit sie in der Schweiz ist, jedes Jahr ein zusätzliches Kind zur Welt bringt. Bereits ist Kind Nummer fünf unterwegs. Von diesen fünf Kindern sind bereits drei fremdplatziert. Eine Schweizer Familie überlegt sich heute, ob ein zweites Kind finanzierbar ist, und finanziert gleichzeitig die Kinder anderer. Von anderen kinderreichen Familien erfahren wir, dass arbeitslose Familien Haushalts­unterstützung bekommen, der Vater psychisch krank ist und die Mutter regelmässig nach Marokko reist und die Kinder in dieser Zeit in Heimen untergebracht werden müssen. Die Mutter verpasst den Flug zurück in die Schweiz und wartet in Marokko, bis der Sozialdienst ihr wieder ein Flugticket besorgt. Es ist eine Tatsache, dass solche Familien von einer Armada von staatlichen Betreuern intensiv betreut werden. Ich weiss von einer Sozialarbeiterin, die grosse Missstände feststellt und nichts unternehmen kann, weil sie sonst im Kanton keine Anstellung mehr findet.

Organisierter Rückflug

Unsere Sozialkosten laufen aus dem Ruder. Ich fürchte, wir sind erst am Anfang. Die Schweiz kann es sich so lange leisten, wie der brave Steuerzahler keine Kenntnis von den Missständen hat und er seine Steuern gerade noch bezahlen kann. Ich glaube, dass Fakten bewusst verschwiegen werden. Mit all den Verpflichtungen, die wir eingehen, reissen wir eine Lawine von weiteren Fällen los. Wenn ich Personen wie Herrn (Name eines Nationalrats) zuhöre, kann ich die Welt nicht mehr verstehen.

Tiefe Besorgnis

Was kann jemanden antreiben, möglichst viele Problemfälle in die Schweiz zu holen und diesen Personen dann auch möglichst schnell den Schweizer Pass zu erteilen? Wieso müssen solche Familien mit Armeen von hochbezahlten Betreuern auf Schweiz formatiert werden? Je mehr Leute wir in die Schweiz holen, desto mehr werden folgen. Es entwickeln sich Parallelgesellschaften, deren Mitglieder sich gar nicht mehr integrieren müssen, weil ihnen möglichst noch alles in ihrer Muttersprache vorgekaut wird.

Wir sind einfach zu tolerant gegenüber allen intoleranten Menschen und wir sind viel zu sozial gegenüber asozialen Menschen. Für mich ist ein sozialer Mensch übrigens, wenn man mindestens versucht, der Allgemeinheit nicht zur Last zu fallen. Unsere Sozialversicherungen waren einst auf die Bedürfnisse der Bewohner der Schweiz ausgerichtet und finanzierbar. Ich bin wirklich besorgt, was für eine Schweiz, was für eine Welt wir unseren Nachkommen hinterlassen.»